Benchmark Mitarbeiterbindung im Gastgewerbe 2026 | All Gravy
Benchmark Mitarbeiterbindung · 2026

Benchmark Mitarbeiterbindung im Gastgewerbe 2026

Wir haben 28.002 aktive Mitarbeiter bei 143 Betrieben im Gastgewerbe an 1.479 Standorten analysiert. Die engagiertesten Mitarbeiter kündigen 69 % seltener als die am wenigsten engagierten - ein Unterschied, der jeden Robustheitstest übersteht, den wir gerechnet haben. Nach Normalisierung für die Zeit auf der Plattform liegt der Unterschied noch bei 33 %; kontrolliert man zusätzlich Standort, Führungskraft, Bezahlung und Betriebszugehörigkeit, gehen 10 Prozentpunkte mehr tägliche Login-Rate mit einer um 12 % geringeren Kündigungswahrscheinlichkeit einher.

28.002
aktive Mitarbeiter analysiert
143
Betriebe im Gastgewerbe
1.479
physische Standorte
−69 %
unbereinigter Fluktuationsunterschied (engagiert vs. nicht)

Das Fluktuationsproblem im Gastgewerbe

Das Gastgewerbe hat ein Fluktuationsproblem, das andere Branchen nicht haben - und in Deutschland ist es kein kleineres als sonst. Laut der Next-Work-Studie des Fraunhofer IAO hat das Gastgewerbe die höchste Fluktuationsrate aller Branchen in Deutschland: rund 68 % pro Jahr, etwa doppelt so viel wie der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt von 33 %. Gleichzeitig bleiben 42,8 % der offenen Stellen in der Hotellerie unbesetzt.

Platz 1
Das Gastgewerbe hat die höchste Fluktuationsrate aller Branchen in Deutschland
Fraunhofer IAO / DZG, Next Work
~68 %
Fluktuation im deutschen Gastgewerbe pro Jahr - gesamtwirtschaftlich sind es 33 %
Next Work (Fraunhofer IAO / DZG); IW Köln
42,8 %
der offenen Stellen in der deutschen Hotellerie bleiben unbesetzt
Fraunhofer IAO
48.500 €
Fluktuationskosten pro Jahr in einem durchschnittlichen Restaurant, rund 6 % vom Umsatz
Branchenauswertung DACH
600.000
Beschäftigte scheiden bis 2030 allein altersbedingt aus der deutschen Gastwelt aus
Fraunhofer IAO / DZG

Zum internationalen Vergleich: Das US-Gastgewerbe liegt bei 74-80 % pro Jahr, in der Systemgastronomie regelmäßig über 100 %. Das britische Gastgewerbe liegt bei 30-40 %. Wer die US-Zahlen als "bei uns ist das anders" abtut, sollte die deutsche Zahl kennen - mit rund 68 % liegt Deutschland deutlich näher am US-Niveau als an einer entspannten Ausnahme.

Das Standard-Playbook lautet: mehr Gehalt, bessere Benefits, schnelleres Onboarding. Alles sinnvoll. Aber keiner dieser Punkte ist der Hebel, um den es in diesem Report geht. Wir wollten wissen, ob ein anderer Hebel damit zusammenhängt, wie lange Menschen bleiben: der Arbeitsalltag in einem Betrieb des Gastgewerbes.

Die kurze Antwort: ja, und zwar deutlich. Die lange Antwort ist der Rest dieser Seite. Wenn Sie direkt springen möchten: Im Rechner geben Sie Ihre eigenen Zahlen ein, und im Playbook steht, was zu tun ist.

Was kostet Sie Ihre Personalfluktuation?

Der Ersatz eines operativen Mitarbeiters im Gastgewerbe kostet 2.800 bis 4.600 € an Recruiting, Einarbeitung und entgangener Produktivität. Geben Sie unten Ihre Zahlen ein.

Sie kennen nur Ihre Jahresrate? Durch vier teilen: 68 % im Jahr entsprechen rund 17 % pro Quartal. Der Standardwert von 9,1 % entspricht dem am wenigsten engagierten Drittel auf unserer normalisierten (zeitbereinigten) Kennzahl; das engagierteste Drittel liegt bei 6,2 %. Das Szenario Top-Engagement zeigt, wie Ihre Zahlen aussähen, wenn sich jeder Mitarbeiter so engagieren würde wie das aktivste Drittel unseres Datensatzes - in der Praxis erreicht das kein Team. Warum unsere absoluten Werte unter den 68 % der Branche liegen, erklären wir in den FAQ.

Kündigungen pro Jahr-
Aktuelle Fluktuationskosten pro Jahr-
Bei normalem Engagement (−19 %)-
Bei Top-Engagement (−33 %)-
Mögliche Einsparung pro Jahr-

Kostenspanne für den Ersatz: 2.800-4.600 € pro operativer Neueinstellung (Cornell, 3.000-5.000 USD, umgerechnet). Der Rechner nutzt den Mittelwert. Für Führungskräfte liegt die Spanne deutlich höher. Die Zahlen sind Zusammenhänge aus unserem Datensatz, keine garantierten Effekte einer Maßnahme.

Das zentrale Ergebnis

Über 28.002 aktive Mitarbeiter bei 143 Kunden hinweg kündigt das engagierteste Drittel (oberstes Terzil nach Gesamt-Logins) mit 3,8 % pro Quartal. Das am wenigsten engagierte Drittel liegt bei 12,2 %. Das ist ein Unterschied von 69 %.

−69 %
geringere Fluktuation im engagiertesten Drittel gegenüber dem am wenigsten engagierten Drittel (unbereinigter Terzil-Vergleich). Signifikant mit p < 0,0001 über 1.479 Standorte. Warum das kein Rauschen ist, zeigt der nächste Abschnitt.

Unbereinigte Terzil-Vergleiche haben allerdings eine bekannte Schwäche: Wer 90 Tage bleibt, hat mehr Tage zum Einloggen als jemand, der in Woche 3 geht. Der nächste Abschnitt rechnet diese Verzerrung heraus.

Wie robust ist das?

Die 69 % sind echt, aber grob. Wir gehen zwei berechtigte Einwände einzeln durch: die Zeit auf der Plattform und die Verzerrung durch Unterschiede zwischen Standorten.

Schritt 1: für Zeit normalisieren

Auch bei Gesamt-Logins haben Bleibende einen strukturellen Vorteil - mehr Tage bedeuten mehr Gelegenheiten, die App zu öffnen. Wir normalisieren auf eine tägliche Login-Rate: Login-Tage geteilt durch die Tage, an denen der Mitarbeiter im Zeitraum aktiv war. Wer in Woche 3 geht, sich aber jeden Tag eingeloggt hat, erreicht damit 100 % statt 21 Tage.

Auf der normalisierten Kennzahl kündigt das engagierteste Drittel weiterhin rund 33 % seltener (6,2 % vs. 9,1 % pro Quartal). Kleiner als die unbereinigten 69 %, aber real und strukturell.

Schritt 2: Standort und Betriebszugehörigkeit kontrollieren

Auch nach der Normalisierung könnten Betriebe mit niedriger Fluktuation einfach engagiertere Belegschaften haben. Deshalb vergleichen wir Mitarbeiter innerhalb desselben physischen Standorts (dieselbe Führungskraft, dieselbe Bezahlung, derselbe lokale Arbeitsmarkt) und nehmen die Betriebszugehörigkeit als Kontrollvariable dazu, um Fluktuation unter Neueinsteigern auszuschließen.

Jede zusätzlichen 10 Prozentpunkte tägliche Login-Rate gehen mit einer um 12 % geringeren Kündigungswahrscheinlichkeit einher, p < 0,0001.

Steilerer Abfall = stärkerer Engagement-Effekt

100 % 75 % 50 % 30 % 10 % 25 % 50 % 75 % 100 % Tägliche Login-Rate (%) −4 % ohne Kontrollen −6 % + Unternehmen −10 % + Standort −12 % + Standort/Dauer

Alle vier Linien sind bei 10 % täglicher Login-Rate auf 100 % indexiert. Steilerer Abfall = stärkerer Engagement-Effekt. Der Effekt wird mit strengeren Kontrollen stärker - das Gegenteil dessen, was bei nicht beobachteten Störvariablen zu erwarten wäre. n = 28.002 aktive Nutzer. p < 0,0001 in allen Spezifikationen.

Die meisten Scheinkorrelationen werden unter strengeren Kontrollen schwächer. Diese wird stärker - ein starker Hinweis darauf, dass wir etwas Reales messen und nicht ein Artefakt der Sortierung auf Unternehmens- oder Standortebene.

Prognostizierte Quartalsfluktuation nach täglicher Login-Rate

0 % 4 % 8 % 12 % 16 % 13,4 % 11,7 % 9,2 % 7,2 % 5,6 % 10 % 25 % 50 % 75 % 100 % Tägliche Login-Rate (%)

Logistische Regression mit Standort-Fixed-Effects, Conditional-Logit-Stichprobe (n = 20.988 / 769 Standorte mit Ergebnisvarianz innerhalb des Betriebs; Gesamtdatensatz 28.002 / 1.479). p < 0,0001.

So lesen Sie die Grafik: Jeder Prozentwert ist die prognostizierte Wahrscheinlichkeit, in diesem Quartal zu kündigen, am mittleren Standort. Bei 10 % täglicher Login-Rate geht etwa jeder Siebte, bei 75 % etwa jeder Vierzehnte. Das Modell berücksichtigt alles, was ein Standort teilt (Führungskraft, Bezahlung, lokaler Arbeitsmarkt) - die Kurve isoliert also das Engagement selbst.

Jede Stufe tiefer, weniger Kündigungen

Jede Engagement-Stufe zeigt weniger Kündigungen als die vorherige - mit einem kleinen Rausch-Ausreißer in der Mitte, den wir nicht glätten.

Veränderung der Fluktuationsrate gegenüber den am wenigsten Aktiven

0 % −10 % −20 % −30 % −40 % 0 % −6 % −19 % −15 % −33 % −36 % <10 % 10-20 % 20-30 % 30-50 % 50-70 % >70 %

n = 28.002 aktive Nutzer. Die Stufe 30-50 % zeigt einen kleinen nicht-monotonen Ausreißer (−15 % gegenüber −19 % in der Stufe 20-30 %), der auf Rauschen bei kleinen Kündigungszahlen zurückgeht; der Gesamtverlauf zeigt klar nach unten.

Kein Zufall an den Rändern also: Der Verlauf ist klar abwärts gerichtet und wird steiler, je tiefer das Engagement geht.

Kommunikation ist das stärkste Signal

Logins können alles bedeuten: die Schicht prüfen, einstempeln, kurz in den Feed schauen. Chat-Nachrichten bedeuten, dass Ihr Team wirklich miteinander redet. Das ist die steilste Kurve, die wir gemessen haben.

Veränderung der Fluktuationsrate gegenüber Nicht-Chattern

0 % −20 % −40 % −60 % −80 % 0 % −5 % −13 % −30 % −39 % −50 % −69 % Kein Chat 1-5 6-20 21-50 51-100 101-150 151-250

n = 28.002 aktive Nutzer. Zeitraum 90 Tage. Direktnachrichten und Gruppenchats zusammengefasst. Monoton über alle 7 Stufen.

Wer mit seinem Team chattet, kündigt etwa halb so wahrscheinlich wie jemand, der es nicht tut. All Gravy Retention Impact Report (v3, April 2026)

Nicht das Chat-Volumen ist das Ziel, sondern Verbundenheit. Chat ist nur das sichtbarste Artefakt dieser Verbundenheit in den Daten einer Plattform. Aber die Dosis-Wirkungs-Beziehung ist steil genug, dass das Volumen für sich schon ein brauchbarer Frühindikator ist. Wenn Sie mehrere Standorte betreiben und das Chat-Volumen Ihrer Standorte sehen, sind die Standorte mit wenig Chat wahrscheinlich Ihre Risikostandorte für Fluktuation - unabhängig von Bezahlung oder Stundenzahl.

Präsenz oder Tiefe

Bisher haben wir Engagement auf eine Weise gemessen: wie oft sich jemand einloggt. Das vermischt aber zwei Dinge - Regelmäßigkeit (überhaupt auftauchen) und Intensität (die App an aktiven Tagen tief nutzen). Ein täglicher kurzer Blick bedeutet hohe Regelmäßigkeit bei niedriger Intensität. Zwölf Logins nur am Montag genau umgekehrt.

Wenn wir beides im selben Modell trennen, wirkt jede Größe für sich: 10 Prozentpunkte mehr aktive Tage gehen mit 9 % geringerer Kündigungswahrscheinlichkeit einher, eine Log-Einheit mehr Logins pro aktivem Tag mit 33 % (beide p < 0,0001, kontrolliert für Standort und Betriebszugehörigkeit).

Im Klartext: Die App zu öffnen zählt; was man darin tut, zählt mehr. Funktionen, die zum Handeln anregen - auf eine Puls-Umfrage antworten, einen Beitrag lesen, eine Nachricht schreiben - liefern das stärkste Signal.

Drei Hypothesen, warum das funktioniert

Die Daten zeigen, dass Engagement und Mitarbeiterbindung gemeinsam laufen. Sie sagen nicht, warum. Hier unsere beste Einschätzung der Mechanismen dahinter.

1

Verbundenheit schlägt Bezahlung

Ein Job im Gastgewerbe wird fast überall ähnlich bezahlt. Was einen Betrieb zu einem macht, in dem man bleibt, ist das Gefühl, gesehen zu werden. Unsere Chat-Dosis-Wirkung zeigt: Mitarbeiter, die Nachrichten mit ihrem Team austauschen, kündigen zunehmend seltener. Bezahlung ist wichtig, aber ein Hygienefaktor. Für sich genommen erklärt sie in unseren Daten praktisch nichts, sobald wir den Standort kontrollieren.

2

Informationslücken kosten Mitarbeiter

Wenn neue Mitarbeiter nicht wissen, was läuft, wen sie fragen können oder was von ihnen erwartet wird, füllen sie die Lücke mit Annahmen - meist mit negativen. Eine Plattform, die sichtbar macht, was passiert (Team-Erfolge, Anerkennung, neue Stellen), verkleinert diese Lücke. Wer sich informiert fühlt, fühlt sich zugehörig. Wer sich zugehörig fühlt, bleibt.

3

Die ersten 45 Tage entscheiden

Bis zu 22 % der gesamten Fluktuation im Gastgewerbe passieren in den ersten sechs Wochen. In diesem Fenster entsteht Engagement - oder eben nicht. Strukturiertes Preboarding geht mit rund 40 % besserer 90-Tage-Bindung einher. Siehe unsere Beiträge zu Preboarding und strukturiertem Onboarding.

Playbook: So bewegen Sie wirklich etwas

Wenn Sie diesen Report lesen und nichts tun, waren die Daten Unterhaltung. Drei Empfehlungen, sortiert nach Hebelwirkung.

Bringen Sie neue Mitarbeiter vor dem ersten Arbeitstag auf die Plattform

Preboarding geht mit rund 40 % besserer 90-Tage-Bindung einher. Schicken Sie Willkommensinhalte, die Rollenerklärung und den Team-Feed, bevor die Person zur Tür hereinkommt. Tag eins ist zu spät - da hat sie sich schon einen ersten Eindruck davon gebildet, wie organisiert Sie sind.

Wie es richtig geht: unser Preboarding-Leitfaden.

Legen Sie Chat-Gruppen standardmäßig nach Standort und Schicht an, nicht unternehmensweit

Menschen reden mit den Menschen, mit denen sie tatsächlich arbeiten. Wenn die Chat-Kanäle automatisch aus dem Dienstplan synchronisiert werden, erledigt sich die Konfiguration von selbst. Generische Chats mit 200 Personen werden still. Standort-Chats mit 12 Personen leben.

Behandeln Sie den Newsfeed wie eine interne Zeitung, nicht wie einen Konzern-Rundfunk

Beiträge über Erfolge, Neueinstellungen und Feiern an einem konkreten Standort bekommen mehr Engagement als Updates aus der Zentrale. Zeigen Sie Ihren Führungskräften, wie gute Beiträge aussehen: kurz, mit Fotos, mit Namen. Ein realistisches Ziel: Jeder Standort postet dreimal pro Woche etwas.

Dreizehn weitere Taktiken finden Sie hier: Retention-Tricks, auf die Top-Restaurants und -Bars setzen.

Was das in Ihrer Größe bedeutet

Pro 100 aktive Plattform-Nutzer beträgt der Unterschied zwischen geringem und tiefem Engagement 3,0 Kündigungen weniger pro Quartal, also etwa 12 pro Jahr. Auf typische Kundengrößen skaliert, gerechnet mit 2.800-4.600 € pro Ersatzeinstellung:

BetriebsgrößeKündigungen weniger / JahrEinsparung pro Jahr
Klein (50 Nutzer)~616.600 - 27.600 €
Mittel (150 Nutzer)~1849.700 - 82.800 €
Groß (500 Nutzer)~60165.600 - 276.000 €

Konkret: Ein Betrieb mit 150 Nutzern, der diese Engagement-Lücke schließt, könnte davon eine zusätzliche Führungskraft finanzieren oder eine spürbare Gehaltserhöhung für das ganze Team. Und zwar allein mit Geld, das heute für den Ersatz von Mitarbeitern ausgegeben wird, die nicht hätten gehen müssen.

Was das noch nicht beweist

Engagement und Kündigungen werden im selben 90-Tage-Fenster gemessen. Der Zusammenhang wird mit Kontrollvariablen stärker und übersteht jeden Robustheitstest, den die Daten zulassen. Wir können aber noch nicht beweisen, dass höheres Engagement dazu führt, dass Mitarbeiter bleiben - und nicht umgekehrt, dass Menschen, die kündigen wollen, sich vorher zurückziehen. Eine Panelstudie auf Personenebene liefert im 3. Quartal 2026 die Antwort. Bis dahin sind alle Befunde auf dieser Seite Zusammenhänge, keine Kausalitäten.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die durchschnittliche Personalfluktuation im Gastgewerbe?

Für Deutschland liegt die belastbarste Zahl bei rund 68 % pro Jahr (Next-Work-Studie des Fraunhofer IAO für die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt) - etwa doppelt so hoch wie der gesamtwirtschaftliche Durchschnitt von 33 % und damit der höchste Wert aller Branchen in Deutschland. Österreich und die Schweiz liegen auf ähnlichem Niveau, mit stärkerer Saisonalität.

Die international am häufigsten zitierte Zahl von 70-80 % ist stark US- und QSR-gewichtet (Bureau of Labor Statistics, National Restaurant Association). Das britische Gastgewerbe liegt bei 30-40 %, die nordischen Märkte darunter, Premium-Betriebe unter Systemgastronomie-Ketten. "Der Branchendurchschnitt" hängt also stark von Region und Betriebsart ab.

Gelten diese Ergebnisse auch für den deutschen Markt?

Der Datensatz ist britisch und nordisch geprägt, deutsche Betriebe sind enthalten, aber nicht die Mehrheit. Zwei Punkte dazu.

Die absoluten Fluktuationswerte sind nicht auf Deutschland übertragbar - genauso wenig wie auf die USA. Dafür nutzen Sie besser Ihre eigene Rate im Rechner oder die 68 % der Next-Work-Studie als Ausgangspunkt.

Der gemessene Zusammenhang lässt sich hingegen gut übertragen. Er stammt aus Vergleichen zwischen Mitarbeitern am selben Standort, mit derselben Führungskraft, derselben Bezahlung und demselben lokalen Arbeitsmarkt. Diese Konstellation - der neue Mitarbeiter, der nach drei Wochen ohne echten Anschluss ans Team wieder geht - unterscheidet sich zwischen Berlin, Kopenhagen und London kaum. Die deutschen Rahmenbedingungen verstärken den Effekt eher: eine Teilzeitquote von rund 39 % in der Gastwelt bedeutet, dass viele Mitarbeiter selten im Betrieb sind und Anschluss ohne digitale Kommunikation kaum entsteht.

Warum sind Ihre Fluktuationszahlen so viel niedriger als die 68 % der Branche?

Drei Gründe überlagern sich, und wir wollen bei allen drei offen sein.

Erstens: Selektion. Diese Studie enthält nur Mitarbeiter, die sich im Quartal mindestens einmal eingeloggt haben. Konten ohne Login schließen wir bewusst aus: Wer die App 90 Tage nicht geöffnet hat, ist höchstwahrscheinlich längst weg, und ihn mitzuzählen würde die Kündigungszahlen so aufblähen, dass sie nichts über Engagement aussagen.

Zweitens: wer in unserer Stichprobe ist. Unsere 143 Kunden sind überwiegend britische und nordische Betriebe im Gastgewerbe, mit Schwerpunkt auf Mid-Market und Premium. Das britische Gastgewerbe liegt bei rund 30-40 % Jahresfluktuation, die nordischen Märkte noch darunter, Premium-Betriebe unter dem QSR-Durchschnitt.

Drittens: wie wir zählen. Branchenstatistiken teilen oft alle Abgänge durch den durchschnittlichen Personalbestand des Jahres, was Werte über 100 % erzeugen kann. Wir teilen bestätigte Abgänge aus Systemereignissen durch die aktivierten Mitarbeiter und rechnen linear aufs Jahr hoch.

Die unbereinigten 69 %, die zeitnormalisierten −33 % und der Regressionskoeffizient von −12 % je 10 Prozentpunkte sind relative Effekte innerhalb unserer Stichprobe. Gleiche Mitarbeiter, gleiche Standorte, nur unterschiedliches Engagement. Genau für diese internen Vergleiche ist die Methodik gebaut. Die absoluten Fluktuationsprozente sind kein Benchmark gegen die deutschen 68 % oder gegen US-Branchenwerte.

Was kostet es, einen Mitarbeiter im Gastgewerbe zu ersetzen?

Das Cornell Center for Hospitality Research beziffert die Kosten auf 3.000 bis 5.000 USD pro operativer Neueinstellung, umgerechnet rund 2.800 bis 4.600 €, inklusive Recruiting, Onboarding, Löhnen der Einarbeiter und entgangener Produktivität. Bei Führungskräften liegen sie bei rund 12.000-13.000 €.

Für Deutschland kommen Branchenauswertungen auf rund 48.500 € Fluktuationskosten pro Jahr in einem durchschnittlichen Restaurant, etwa 6 % des Jahresumsatzes. Die meisten Betriebe unterschätzen die echten Kosten, weil sie den Produktivitätsverlust während der Einarbeitung und die Überstunden des verbleibenden Teams nicht einrechnen.

Senkt eine Mitarbeiter-App die Fluktuation im Gastgewerbe wirklich?

Engagement mit einer Plattform hängt stark mit Mitarbeiterbindung zusammen. In unserer Studie mit 28.002 Mitarbeitern bei 143 Betrieben im Gastgewerbe kündigt das engagierteste Drittel mit 3,8 % pro Quartal, das am wenigsten engagierte mit 12,2 % - ein Unterschied von 69 %. Nach Normalisierung für die Zeit auf der Plattform und Kontrolle für Standort und Betriebszugehörigkeit gehen 10 Prozentpunkte mehr tägliche Login-Rate mit einer um 12 % geringeren Kündigungswahrscheinlichkeit einher (p < 0,0001). Ob das ein kausaler Effekt der App ist oder ein Marker für zugrunde liegendes Engagement, prüfen wir mit Längsschnittdaten bis zum 3. Quartal 2026 - die Richtung der Belege ist aber konsistent und robust.

Warum korreliert Chat stärker mit Mitarbeiterbindung als Logins?

Logins können fast alles bedeuten: den Dienstplan prüfen, eine Benachrichtigung ansehen, einstempeln. Chat-Nachrichten sind ein Beleg für eine Beziehung. Sie bedeuten, dass der Mitarbeiter jemanden bei der Arbeit hat, mit dem er redet, den er um Rat fragt, von dem er Anerkennung bekommt oder mit dem er einfach digital zusammen ist. Beziehungen schaffen Gründe zu bleiben, die Bezahlung allein nicht schaffen kann. Die Chat-Dosis-Wirkung ist die steilste Kurve in unseren Daten und fällt von 0 % (keine Chats) auf −69 % (viel Chat).

Wie schnell kann ein Betrieb Verbesserungen bei der Mitarbeiterbindung erwarten?

In den ersten 90 Tagen entstehen die Nutzungsgewohnheiten. Die meisten Betriebe sehen innerhalb von 60 Tagen nach dem Launch belastbare Engagement-Kennzahlen. Die Wirkung auf die Mitarbeiterbindung folgt leicht versetzt, weil Fluktuation in Quartalen gemessen wird. Realistische Erwartung: sichtbare Engagement-Gewinne im ersten Quartal, messbare Verschiebung der Bindung in Quartal 2 bis 4, volle ROI-Realisierung im ersten Jahr.

Quellen. All Gravy Retention Impact Report (v3, Stand 30. April 2026. n = 28.002 aktive Mitarbeiter, 143 zahlende Kunden, 1.479 Standorte, überwiegend britisches und nordisches Gastgewerbe). Cornell Center for Hospitality Research zu den Kosten pro Einstellung. Deutsche und DACH-Benchmarks: "Next Work im Business-Ökosystem der 360° Gastwelt" (Fraunhofer IAO im Auftrag der Denkfabrik Zukunft der Gastwelt), IW Köln zur gesamtwirtschaftlichen Fluktuation, DEHOGA-Zahlenspiegel. Internationale Benchmarks von BLS, NRA, DailyPay und SHRM. Währungsumrechnung mit 1 USD = 0,92 €.

Methodik. Die Kennzahlen in den Überschriften zeigen den unbereinigten Terzil-Unterschied (oberstes vs. unterstes Drittel nach Gesamt-Logins). Die Robustheitsregression (Standort-Fixed-Effects + Betriebszugehörigkeit, tägliche Login-Rate je 10 Prozentpunkte) bestätigt die Richtung mit konservativerer Größenordnung (12 % geringere Odds je 10 pp, p < 0,0001). Der Rechner nutzt die normalisierten Terzil-Reduktionen, um das ehrlichste Gegenszenario zu zeigen. Alle drei Sichtweisen sind im zugrunde liegenden Report enthalten.

© 2026 All Gravy. Daten aus dem britischen und nordischen Gastgewerbe; die Ergebnisse lassen sich nicht zwangsläufig auf andere Branchen oder Regionen übertragen. Die Befunde sind Zusammenhänge; der Panel-Test auf Personenebene läuft im 3. Quartal 2026.